Einblicke

Im Jahre 1946 wurde Arno Stern, damals 22jährig, eine Stelle in einem Heim für Kriegswaisen angeboten. Er lies die jungen Menschen dort frei malen. Diese anfänglichen kreativen Stunden offenbarten ihm die Wichtigkeit dieses Spiels.

Eine originelle Einrichtung ist damals entstanden und hat sich bis heute bewährt: Ein einzigartig organisierter Raum, mit seinen sinnlichen Aspekten und klaren Regeln, sich frei zu entfalten. Ein optimaler Raum, bestehend aus farbigen Wänden, in der Mitte ein Palettentisch mit den achtzehn leuchtend schönen und so sinnlichen Farben und den hochwertigen Pinseln. Ein jeder pendelt zwischen seinem Blatt Papier, als ein Element ganz für sich zu sein, und dem Palettentisch als Gemeinschaftselement, hin und her. Auf dem Blatt ist ein jeder frei, vertieft, akkurat und sorgfältig in der Handhabung der Materialien.

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Dieser so tiefsinnig erlebbare Prozess ermöglicht der malspielenden Person die Wiederbelebung der eigenen Spur. So wird das Malspiel zu einer lebenswichtigen und ernsthaften Angelegenheit, welche so lustvoll und begeisternd zur Gewohnheit wird, der die Menschen immer wieder frönen wollen.

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Dieses dem Menschen uneingeschränkte Malspiel ist allerdings nur möglich, weil hier eine feste Gruppe, bestehend aus schon von Alter und anderen Eigenschaften her ganz unterschiedliche Menschen, regelmäßig zusammenkommen. Hier gelten keine der sonst übl(ich)en Normen: Erwartungen, Wettbewerb, Bewertung – nicht einmal pädagogische, therapeutische oder künstlerische Absichten. Denn der im Malspiel ermöglichte, unterstützte und zur Vollkommenheit gebrachte, wirklich kreative Prozess ist an zwei grundlegende Faktoren gebunden; Es gibt keine Einflüsse von außen und keine Empfänger. Wie beglückend ist es, sich auf das einzig Wesentliche konzentrieren zu können: frei sich zu entfalten.

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Neben dieser originellen Einrichtung, den guten Materialien und einer akkuraten Handhabung spielt die Malspiel – Dienende eine ebenso wesentliche Rolle.

Sie steht den malspielenden Personen zur Verfügung, damit es jedem in seiner Aktivität, in seinem Engagement gut gehe und man sich seinem Spiel auf dem Blatt ungestört widmen kann.

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Bei all den wesentlichen Aspekten sind Pinsel und Papier die absolute Freiheit. Nicht weniger, aber auch nicht mehr braucht es!

Aufgrund der Wichtigkeit dieses Spiels mit all seinen Elementen, findet das Malspiel regelmäßig und langfristig im Leben des Menschen statt. Es darf keine Verwechslung erfahren mit einer beliebigen Freizeit-Beschäftigung.